Arbeitsgruppe
Kinderzahnheilkunde & Prophylaxe
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Patienteninformation zur Kinderbehandlung
Wann sollte
ein Kind das erste Mal zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt gehen?
Genaugenommen sollte es sich mit
Mutter und Vater vorstellen, bevor es das Licht der Welt erblickt, da die
frühzeitige Aufklärung der Eltern entscheidend zur Gesunderhaltung der Zähne
ihrer Kinder beiträgt.
Sobald die ersten Milchzähne
vorhanden sind, ist ein regelmäßiger Besuch beim Zahnarzt sinnvoll, um zum
einen den Zahn- und Mundgesundheitszustand kontrollieren zu lassen und zum
anderen, damit sich Zahnarzt und kleiner Patient/in kennenlernen können.
Wenn alle Milchzähne da sind,
kann die Anfälligkeit für Karies bestimmt und entsprechende
Prophylaxemaßnahmen, wie z. B. Fluoridierung, eingeleitet werden.
Milchzähne
sind gefährdeter als bleibende Zähne!
Milchzähne sind anfälliger für
Karies, da der ohnehin dünnere Zahnhartsubstanzmantel geringer mineralisiert
ist. Dies führt auch zu einer rascheren Ausbreitung der Karies bis zum Nerven
des Zahnes, wodurch Entzündungen und starke Schmerzen entstehen. Bei weiterer
Ausbreitung der Entzündung kann es auch bei Kindern zur Beeinträchtigung der
allgemeinen Gesundheit kommen.
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Milchzahnkaries |
Nach der Behandlung |
Sehr häufig findet man bei
Kleinkindern die sogenannte "Saugerflaschenkaries", auch
"Nursing-Bottle-Syndrom" genannt. Diese Karies entsteht durch zucker-
oder säurehaltige Getränke, die häufig am Tag über Saugflaschen gegeben werden.
Das gefährliche daran ist, dass zuerst die Innenseiten der oberen Schneidezähne
betroffen sind, was leicht übersehen wird. Über kurz oder lang kann dies zum
vorzeitigen Verlust dieser Zähne führen.
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Nursing-Bottle-Syndrom |
Gesundes Milchgebiß |
Ein vorzeitiger Verlust der
Milchzähne kann zu mehreren Problemen führen:
Diese Punkte können eine
intensive logopädische und kieferorthopädische Behandlung notwendig machen.
Kinderbehandlung in unserer Abteilung!?
In erster Linie versuchen wir,
uns für Ihr Kind Zeit zu nehmen. Nur so können Ängste überwunden und Vertrauen
aufgebaut werden, was dann oftmals eine herkömmliche Behandlung ermöglicht.
Sollte die Angst jedoch zu groß
sein, haben wir zusätzlich die Möglichkeit bis zum 6. Lebensjahr
Schmerzbehandlungen unter Gabe eines Beruhigungsmittels durchzuführen.
Weiterhin bieten wir in
Ausnahmefällen bis zum 12. Lebensjahr eine Behandlung in Vollnarkose an.
Ausführliche Informationen zur Kinderbehandlung
Wann sollte ein Kind bei einem Zahnarzt vorgestellt werden?
Wünschenswert wäre, dass ein Kind
möglichst frühzeitig bei einem Zahnarzt vorgestellt wird. Das heißt, bereits zu
einem Zeitpunkt, an dem weder kariöse Läsionen sichtbar noch Schmerzen
vorhanden sind. Aus zahnärztlicher Sicht sind sogar Beratungs- und
Behandlungstermine der Eltern während der Schwangerschaft empfehlenswert, um
vorbeugend, durch Aufklärung der Eltern, Zahnschäden des Kindes abzuwenden.
Spätestens ab dem 30. Lebensmonat (komplettes Milchgebiß) sollte eine
Früherkennungsuntersuchung bei einem Zahnarzt, entsprechend den bekannten
Grunduntersuchungen bei einem Kinderarzt, durchgeführt werden. Diese Untersuchung
sollte zwischen dem 49. und 72. Lebensmonat wiederholt werden. Wird in diesen
beiden Untersuchungen ein erhöhtes Kariesrisiko festgestellt, kann eine weitere
Untersuchung im 6. Lebensjahr erforderlich sein.
Was sind die
Ursachen für eine zahnärztliche Behandlung bei Kindern?
· Karies
· Trauma (Unfall)
· anlagebedingte Fehlbildung der
Zähne
· Veränderungen an Zähnen oder
Zahnfleisch als Ausdruck schwerer Allgemeinerkrankungen
· seltene Erkrankungen des
Zahnhalteapparates oder des Zahnfleisches
Trotz großer Erfolge von
Vorsorgemaßnahmen (Mundhygiene, Anwendung von Fluoriden) stellt Karies im Gebiß
der 1. Dentition (Milchgebiß) und im Wechselgebiß (Zahnwechsel vom Gebiß der 1.
zu dem der 2. Dentition) weiterhin die Hauptursache für zahnärztliche
Behandlungen bei Kindern dar. Dabei verteilt sich die Karies nicht gleichmäßig
auf alle Kinder einer Altersgruppe. Etwa ein Viertel der Kinder weist drei
Viertel aller kariösen Läsionen auf.
Bei Vorschulkindern steht zumeist
eine Fehlernährung im Vordergrund. Zuckerhaltige Getränke ( Tees, Fruchtsäfte,
Milch,...) werden zu häufig tagsüber und in der Nacht sowie über ein Alter von
etwa 1 bis 1 ½ Jahren hinaus dem Kind über Saugflaschen angeboten. Weiterhin
setzt das Zähneputzen nicht früh genug ein (ab dem Durchbruch der ersten Zähne)
oder wird zu früh in die Hände des Kindes gelegt. Hinzu kommt, dass kariöse
Läsionen durch fehlende Reihenuntersuchungen nicht frühzeitig diagnostiziert
werden. Bei älteren Kindern sind, wie bei Erwachsenen, häufige zuckerhaltige
Zwischenmahlzeiten und eine vernachlässigte Zahnpflege Auslöser für einen
überdurchschnittlich großen Karieszuwachs.
Wie
unterscheiden sich Zähne der 1. Dentition (Milchzähne) von denen der 2.
Dentition (bleibende Zähne)?
Zähne der 1. Dentition
unterscheiden sich von denen der 2. Dentition nicht nur durch Farbe und Form.
Die Schicht des festen Zahnhartgewebsmantels (Schmelz und Dentin) ist bei
diesen Zähnen dünner, so dass bei Karies und Unfällen mit Beteiligung der Zähne
die Pulpa (Nerv- und Versorgungsgewebe im Zahninneren) früher betroffen sind.
Weiterhin ist dieser Hartgewebsmantel geringer mineralisiert. Dieses führt zu
einer größeren Anfälligkeit für Karies im Vergleich zu Zähnen der 2. Dentition.
Muß Karies an
Zähnen der 1. Dentition überhaupt behandelt werden?
Bisweilen wird von Eltern aber
auch von Ärzten und Zahnärzten die Ansicht vertreten, dass Karies an Zähnen der
1. Dentition nicht behandelt werden muß. Dieses wird zumeist dadurch gestützt,
dass diese Zähne ohnehin nur eine begrenzte Zeit innerhalb der Mundhöhle
verbleiben und keine (starken) Zahnschmerzen verursachen würden.
Das kann nicht unwidersprochen
bleiben:
Nach
verschiedenen Angaben der zahnärztlichen Literatur sind zwischen 20 % und 70 %
aller Zahn- oder Kieferfehlstellungen bei rechtzeitiger Restauration der Zähne
der 1. Dentition zu vermeiden!
Wie wird
Karies im Gebiß der 1. Dentition behandelt?
Im Allgemeinen gilt, dass
Behandlungsmaßnahmen um so besser vorgenommen werden können, je geringfügiger der
zu behandelnde Defekt und je älter das Kind ist. Sind bereits Schmerzen
aufgetreten oder liegen bereits zahlreiche erfolglose Behandlungsversuche
anderer Zahnärzte vor, gestaltet sich eine Behandlung oftmals schwieriger.
Liegen keine Schmerzen vor, versuchen
wir das Kind allmählich an eine zahnärztliche Behandlung heranzuführen. Dieses
Vorgehen kann bereits mehrere Behandlungstermine in Anspruch nehmen. Die
Behandlung selbst erfolgt mit gleichen Methoden und Materialien wie bei
Erwachsenen. Bevorzugt werden zahnfarbene Füllungsmaterialien eingesetzt.
Gibt es
weitere Behandlungsoptionen?
Bei einem geringen
Behandlungsumfang und zuvor fehlgeschlagenen konventionellen
Behandlungsversuchen oder bei kurzzeitigen Eingriffen, die lediglich der
Schmerzbeseitigung dienen, wird in unserer Poliklinik bei Kindern bis zum 6.
Lebensjahr das Benzodiazepin-Derivat Midazolam eingesetzt. Das Präparat
wird oral (als Getränk) oder rektal (als Zäpfchen) entsprechend dem Körpergewicht
des Kindes verabreicht. Für die Gabe dieses Präparates sollte neben der
Einwilligung der Eltern eine Einverständniserklärung des behandelnden
Kinderarztes vorliegen. Zur Behandlung selbst muß das Kind nüchtern sein. Aus
diesem Grund werden diese Behandlungen in den meisten Fällen vormittags
durchgeführt. Nach der Behandlung, die in Anwesenheit der Eltern stattfindet,
bleiben die Kinder noch etwa 2 Stunden in der Poliklinik, um nach Abklingen der
Wirkung des Medikamentes nach Hause entlassen werden zu können. Zur Zeit können
wir eine Behandlung unter Gabe dieses Präparates jeweils Mittwochs in
14-tägigem Rhythmus anbieten.
Sind konventionelle
Behandlungsversuche nicht erfolgreich gewesen oder liegt ein umfangreicher
Behandlungsbedarf vor, können in unserer Poliklinik Kinder bis einschließlich
zum 12. Lebensjahr in Intubationsnarkose behandelt werden. Ziel dieser
Behandlung ist die komplette Sanierung des Gebisses in einer
Behandlungssitzung. Für eine Behandlung muß die Einwilligung der Eltern vorliegen.
Ferner muß zuvor ein Aufklärungsgespräch mit einem Narkosearzt in unserem Hause
stattgefunden haben. Das Kind muß zur Behandlung nüchtern sein. Während der
Behandlung sind die Eltern nicht anwesend. Erst zum Abschluß der Behandlung bis
zu dem Zeitpunkt der Entlassung des Kindes nach Hause, was in der Regel im
Laufe des Nachmittags erfolgt, können die Eltern bei ihrem Kind sein. Zur Zeit
können wir eine Behandlung in Intubationsnarkose jeweils Donnerstags anbieten.
Informationen zur
Prophylaxe bei Kindern und Jugendlichen
...Prophylaxe bedeutet Vorbeugung bzw. Verhütung von Krankheiten!
Welcher Erkrankung kann vorgebeugt werden ?
...es geht hierbei um das Vermeiden von Karies und Entzündungen des Zahnfleisches sowie des Zahnhalteapparates (Knochen) !
In der Mundhöhle befinden sich mehrere Millionen Bakterien. Diese Bakterien ernähren sich von Zucker, den sie aus der Nahrung erhalten, die wir täglich zu uns nehmen. Einige dieser Bakterien sind in der Lage diesen Zucker in eine Säure umzuwandeln. Diese entstandene Säure wiederum greift die Oberfläche des Zahnes (den Zahnschmelz) an, indem sie Mineralien herauslöst. Es kommt zu einer Entkalkung (Demineralisation), die bei Fortschreiten zur Entstehung eines Loches (Karies) führt.
Was kann man tun - Wie wird die Prophylaxe umgesetzt ?
Um einer Erkrankung vorbeugen
zu können, ist es wichtig die Ursachen für die Entstehung zu kennen oder aber
auch zu wissen, welche Möglichkeiten es gibt, eine Verschlechterung zu
vermeiden.
Dazu ist es erforderlich, dass Sie als Patient von Ihrem Zahnarzt ausführlich
aufgeklärt werden, damit beschäftigt sich im wesentlichen die Prophylaxe. Dies
sollte bereits schon vor der Geburt eines jeden Menschen geschehen, und zwar in
Form der sogenannten "Primär-Primär-Prophylaxe" !
Die "Primär-Primär-Prophylaxe" beinhaltet die Aufklärung der
Schwangeren über die verschiedenen Übertragungswege der Bakterien von ihrer
Mundhöhle auf die ihres Kindes (z. B. Kuss, Löffel, Schnuller
u.v.m.). Weiterhin ist das Ziel die Sanierung der gesamten zu behandelnden
kariösen Zähne während der Schwangerschaft, um die Anzahl der Bakterien in der
mütterlichen Mundhöhle minimieren zu können und um einen entzündungsfreien
Zustand des Parodontiums (Zahnhalteapparat, Zahnfleisch) zu erhalten.
Nach Geburt des Kindes ist das Verhindern bzw. die Minimierung des
Bakterienwachstums (bes. Streptococcus mutans) in der kindlichen Mundhöhle
anzustreben. Hierbei spricht man von der "Primärprophylaxe".
Daran anschließend folgt die "traditionelle Prophylaxe", die der
Beseitigung der auf der Zahnoberfläche bereits befindlichen Bakterien
(Streptococcus mutans) dient. Dies setzt einen regelmäßigen Zahnarztbesuch
voraus.
Die "traditionelle Prophylaxe" ist auf 4 Grundsäulen gebaut, welche
folgend im einzelnen besprochen werden:
Zweck der Ernährungslenkung ist die Verringerung der Substratzufuhr für die Bakterien und somit die Verringerung des Risikos für eine Demineralisation.
Die Ernährung ist dann kariogen (führt also zur Entstehung von Karies), wenn sie zuckerhaltig und für die Bakterien gut vergärbar ist, wenn sie lange in der Mundhöhle verweilt und wenn sie häufig konsumiert wird.
Kariesprophylaktische Maßnahmen wären demzufolge die Verwendung von Zuckeraustauschstoffen (können kaum von Bakterien verstoffwechselt werden), wie z. B. Xylit, sowie das Vermeiden von klebrigen Speisen. Ganz entscheidend ist auch die Häufigkeit der Zuckerzufuhr, daher sollte darauf geachtet werden, über den Tag verteilt seltener Süsses zu sich zu nehmen.
Die Mundhygiene hat als Ziel die Entfernung der bakteriellen Beläge von der gesamten Zahnoberfläche. Sie sollte mit dem Durchbruch des 1. Zahnes beginnen. Für die Durchführung der häuslichen Mundhygiene gibt es verschiedene Hilfsmittel:
-
Zahnbürste
(kleiner Bürstenkopf, abgerundete Kunststoffborsten,3-4 Borstenreihen,
multitufted)
-
Zahnseide
- Superfloss
- Zahnhölzer
- Interdentalbürstchen
-
Zahnpasta (fluoridiert, 0,1 - 0,15 %)
- Spüllösungen (Fluorid-, Chlorhexidin)
- Gele, Lacke
Die häusliche Mundhygiene sollte regelmäßig (meist 1-2x pro Jahr) durch eine
professionelle Zahnreinigung bei Ihrem Zahnarzt ergänzt werden.
Die Wirkung der Fluoride
beruht auf einem lokal am Zahn auftretenden Effekt. Sie bilden auf der
Zahnoberfläche eine Art Schutzfilm (Deckschicht aus Kalziumfluorid). Bei einem
Säureangriff werden die
Mineralien erst aus dieser Schicht gelöst.
Fluoride beschleunigen außerdem die Wiedereinlagerung von Mineralien nach dem
Säureangriff auf den Zahn (=Remineralisation). Und sie dringen in die Bakterien
ein und stören deren Stoffwechsel.
Wieviel Fluorid soll man aufnehmen und in welcher Form ?
- ab dem 1. Zahn 1x tgl. mit fluoridierter Zahncreme (max. 0,05%) putzen
- ab dem 2. Geburtstag: 2x tgl. putzen
- ab dem 3. Geburtstag:
zusätzlich Verwendung von
fluoridiertem Speisesalz
- ab dem 6. Geburtstag: 2x tgl. putzen (0,1 - 0,15 %) + fluoridiertes Speisesalz
Wenn kein fluoridiertes Speisesalz und keine fluoridierte Zahncreme verwendet
werden, sollten Fluoridtabletten verabreicht werden. Die Dosierung der
Tabletten richtet sich nach dem örtlichen Trinkwasserfluoridgehalt.
Zur häuslichen Anwendung stehen folgende Hilfsmittel zur Verfügung:
- Fluorid-Gel: 1x wöchentlich
- fluoridhaltige Spüllösungen
Die Anwendung von hochdosierten Lacken u.ä. sollte nur unter zahnärztlicher Kontrolle erfolgen.
Nähere Informationen finden Sie unter "Wissenschaftliche Stellungnahmen der DGZMK" (www.dgzmk.de) !
Fissuren sind Bereiche des
Zahnes, die mit den herkömmlichen Hilfsmitteln kaum zu reinigen sind.
Die Fissurenversiegelung stellt den mechanischen Verschluss diesen Bereiches
mittels eines Kunststoffs dar. Sie sollte bei stark zerklüfteten Kauflächen
sowie in kariesgefährdeten Fissuren und Grübchen
durchgeführt werden.
Der Umfang und die Durchführung der zahnärztlichen Prophylaxe ist individuell
vom Kariesrisiko des Patienten abhängig. So benötigt ein Patient mit einem
erhöhten Kariesrisiko eine intensivere Betreuung.
Der Erfolg der kariesprophylaktischen Maßnahmen ist ganz entscheidend abhängig
von der Motivierbarkeit und Mitarbeit des Patienten.
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